Frankfurter Neue Presse

„Irish Soul“ lebt vom authentischen Musizieren einer Live-Band, die mit beliebten Traditionals, Reels und Jigs das elementare Lebensgefühl der Iren spüren lässt. Allen voran Brian O'Connor, der die verschiedensten Jigs und Reels ebenso schlicht wie heiter beseelt interpretiert.
Ein Irland-Urlaub hat van Cauwenbergh zu seinem zweiteiligen Tanzabend inspiriert, und nachdem irische Folkore spätestens seit den Flatley-Shows zum Publikumsmagneten geworden ist, präsentiert Wiesbaden nun seine eigene Show von der Grünen Insel in klassischer Version.
Zunächst erlebt der Zuschauer zwischen grasgrünen Dämpfen und Meeresrauschen blumige Landschaftsimpressionen (Bühne und Licht: Thomas Märker). Silhouettenartig wachsen die Menschen aus den Nebeln, kämpfen mit Meer und Wind, erzählen ein Stückchen Schöpfungsgeschichte. Cauwenberghs Absicht, die uralten politischen Probleme des Landes choreografisch umsetzen, bleibt dagegen verschwommen.

Nach diesen vom romantischen Bühnenbild bestimmten ersten Teil, der seinen entscheidenden Impuls von der fulminanten tänzerischen Leistung von Gaetano Posterino bekommt, gewinnt der Abend nach der Pause zwischen Pub und Alltag an Tempo und Flair. Vorbei sind die unvermittelt aneinander gereihten Tanznummern, das Ensemble sitzt nun mit den Musikern zusammen im Orchestergraben, die einzelnen Tänze scheinen aus Lust und Laune frei inprovisiert. Die typischen Gruppenformationen bestechen mit Präzision und Rasanz, einfachstes Schrittmaterial wird effektvoll eingesetzt. Dazu immer wieder verblüffende Soli und Pas de deuxs: etwa die Komik-Nummer von Carolina Vivet und Dmitrij Simkin als ungleiches Paar; das kokette, sehr selbstbewusste Solo von Adeline Pastor, die mit Fouttés wuchert; die lyrische Studie Daniela Severians oder die wilden Sprünge Marcin Kraweskis, um nur einige Interpreten der ausgezeichnet trainierten Truppe zu nennen.
Einen tänzerisch besonders qualifizierten Schlagabtausch liefern sich, pointiert choreografiert, die Herren Simkin und Posterino, der als „Running-Gag“ in der Rolle des irischen Kobolds immer wieder mit skurrilen Sprüngen und Verrenkungen durch die Szene geistert. Selten verfügt ein mittleres Theater über zwei so eigenwillige Charaktertänzer. Irish Soul“ ist Unterhaltungen pur, gefällig, mitreißend.


Wiesbadener Tagesblatt

Irish Soul BallettRiesenbeifall und Ovationen für Ben van Cauwenberghs neues Ballett „Irish Soul“ im Großen Haus des Staatstheaters Wiesbaden. Die Idee zu dieser Produktion, die ein ähnlicher Publikumsrenner wie van Cauwenberghs Arbeit „Rock around Barock“ werden dürfte, kam dem Ballettchef während eines Segelurlaubs, der ihn an die schroffe Steilküste und in das Innere der „grünen Insel“ führte. Musik, Land und Leute faszinierten ihn. (...)
Die Führung der Solisten und des Ensembles überzeugt in Spannungsdichte und Intensität, ein verinnerlichter, oft resignativer Grundton ist deutlich spürbar.Einen Lichtblick in die von Gefühlen, Meeresrauschen und Regen bestimmte Szenerie bringt der Auftritt des Leprachaun, einer Figur der irischen Sagenwelt. Gaetano Posterino taucht immer wieder auf, tanzt diesen Kobold in kaum glaublicher Geschmeidigkeit, skurril und mit etwas boshafter Hinterhältigkeit. Nach dieser Introduktion mischt sich das Ballettensemble unter die Musikanten im Orchestergraben.

Van Cauwenbergh hat die Atmosphäre eines irischen Pubs hervorragend getroffen. Einzeln und gemeinschaftlich betreten die Akteure die Bühne, beeindrucken mit solistischen Glanzleistungen, irischem Gestus abgelauschter, leicht parodistischer Beinarbeit, in gewohnter Präzision. Eine im Wesentlichen von der Männerwelt beherrschte, farbige Szenerie, deren Vertreter (Marcin Krajewski, Breno Bittencourt, Dimitrij Simkin und Marek Tuma) sich im „Lokalkolorit“ in Hochform präsentieren, sich aber der ebenbürtigen Konkurrenz der Damen Irena Veterova, Adeline Pastor, Carolina Vivet, Isabelle Moirt und Daniela Severian zu stellen haben.


Wiesbadener Kurier

Eine sechsköpfige, multikulturelle Live-Band mit fünf Iren spielt Lieder und Tänze mit typischem Sound, oft auch mit sehnsüchtiger Melancholie. Besonders im letzten Teil klatscht das Publikum mit. Die Musik gibt dem Abend Kontur, dem Tanz ein Gerüst. (...)

Nach der Pause erwacht das Werk. Pelziges Treiben auf der Bühne und im Pub heizt die Stimmung auf der Bühne und im Zuschauerraum an. Nun sind wir im richtigen Irland mit Kerlen, die saufen, kämpfen, lieben und hintergründigen Humor besitzen. Durch alle Szenen geistert der wilde Leprachaun (grandios: Gaetano Posterino), ein sagenhafter irischer Puck. Die Truppe steigert sich zu mimischen und tänzerischen Spitzenleistungen. Alles passt nun zusammen. Die Schrittfolgen mischen raffiniert Folkdance mit feiner Neoklassik. Scheinbar unwirsch und stolz reagiert die lange Carolina Vivet auf des kleinen Dimitrij Simkins Liebeswerben, bis dessen erregende Rotationen und Sprünge ihr Herz letztlich doch erweichen. Technisch formidable Duos von Irena Veterova mit Marcin Krajewski oder Isabelle Moirt mit Marek Tuma offenbaren lyrische Seele in rauer Schale. Adeline Pastor, Daniela Severian und Breno Bittencourt begeistern durch noble, elegante Soli. Am Schluss steigern sich Musik und Choreografie zu orgiastischem Finale aller Mitwirkenden.


Darmstädter Echo

Von der Grünen Insel, ihren Klängen, Stimmungen, Farben und Rhythmen ließ sich diesmal der Wiesbadener Ballettdirektor Ben van Cauwenbergh inspirieren und bringt mit seinem Ballettabend „Irish Soul - Sehnsucht nach Irland“ ein bilderreiches Tanzstück auf die Bühne, dessen Teile „Das Land“ und „Die Leute - Musik und Lieder im Pub“ sich dramaturgisch deutlich voneinander abheben, jedoch von einer Klammer zusammengehalten werden: der irischen Volksmusik. Cauwenbergh, um Gags nie verlegen, verwandelt den Orchestergraben in einen irischen Pub, aus dem heraus die irische Band “Midnight Court“ und der großartige Flötist Brian O Connor die traditionellen Lieder interpretieren. Choreografisch setzt Cauwenbergh einen Kontrapunkt zum gesteppten Trommelfeuer umherziehender Showgruppen. Er versucht eine sensible Verbindung zwischen klassischem Ballett und irischem Volkstanz…die Einheit von Tanz und Musik ist gewiss auch ein Verdienst der irischen Band.


WDR 2 Die Kritiker

Irish Soul Ballett Wer Irland liebt, der kann derzeit auf Flieger und Schiff verzichten, der braucht nur bis nach Essen zu fahren. Dort hat Ballettchef Ben Van Cauwenbergh einen äußerst unterhaltsamen irischen Abend auf die Bühne gebracht. Van Cauwenbergh hat sich als waschechter Irlandfan geoutet und bietet all das, was die grüne Insel für ihn auszeichnet. Das ist vor allem die irische Musik: "Midnight Court" heißt die Band, die live und mit traditionellen Instrumenten die Tänzer begleitet. Mandoline, Bodhràn (Handtrommel), Fiddle, Knopfakkordeon, Whistle heißen die ungewöhnlichen Gerätschaften, die für die typischen folkloristischen "Sounds" sorgen.

Dazu kommt Gesang, manchmal nur von Aaron Shirlow, der die Songs auch komponierte, manchmal unterstützen ihn vier seiner Mitmusiker. Doch zum Tanz. Traditionell gehört zur irischen Volksmusik das Tanzen wesentlich dazu: Stepptanz, Formationstanz, "Jig", das ist ein lebhafter Volkstanz im 6/8 Takt oder "Reel" im schnellen 4/4 Takt. Van Cauwenbergh lehnt seine Choreographien an diese ursprünglichen Formen an, er erweitert sie, nutzt die ganz speziellen Fertigkeiten und Fähigkeiten seiner klassischen, gut trainierten Compagnie. Diese Mischung macht ganz einfach Spaß, offensichtlich nicht nur dem Publikum, sondern auch dem Ensemble. Sicher, Ben Van Cauwenbergh verarbeitet munter alle Klischees, die von Irland in unseren Köpfen existieren, aber: what the hell, warum nicht?! Ihm ist ein munterer und heiterer, ein entspannter und entspannender Abend gelungen. "Irish Soul" kann man getrost anschauen, gutgelaunt verlassen und im Irish Pub an der Ecke noch ein Guinness ordern.


Online Musik Magazin

Nach der erfolgreichen Liebeserklärung an das französische Chanson in dem Ballettabend La vie en rose und der großartigen Tanzhommage an Queen hat sich Ballettdirektor Ben Van Cauwenbergh nun der irischen Volksmusik gewidmet und erweitert damit das Spektrum seiner Ballett-Compagnie um einen weiteren Themenabend, der die ebenfalls gepflegten klassischen Handlungsballette hervorragend ergänzt. Dass dieses Konzept in Essen aufgeht, zeigt unter anderem, dass die zweite Vorstellung an einem Dienstag vor nahezu ausverkauftem Haus stattfand, was manchem Haus leider noch nicht einmal in der Premiere gelingt.

Inspirieren ließ sich Van Cauwenbergh noch zu seiner Wiesbadener Zeit 2001, als er in einer Kneipe einen Musiker des 1995 gegründeten Trios "Midnight Court" kennen lernte. Für Wiesbaden wurde dann auch die Uraufführung dieses Werkes kreiert, in der das Trio, bestehend aus dem Sänger, Gitarristen und Songwriter Aaron Shirlow, dem Violinisten und Sänger Bernd Lüdtke und dem Knopfakkordeonisten und Sänger Noel Minogue, gemeinsam mit einem der besten Flötenvirtuosen Irlands, dem Dubliner Brian O'Connor, den Soundtrack nicht nur komponierte, sondern auch live spielte. Auch für die Neuproduktion in Essen in anderer Form und Ausstattung konnten die Musiker erneut gewonnen und mit dem Sänger und Gitarristen Kevin Sheahan, einem Essener mit irischer Abstammung, um einen weiteren Spitzenmusiker ergänzt werden…

FAZIT Ben Van Cauwenbergh gelingt ein sehr unterhaltsamer und abwechslungsreicher Ballettabend, der beweist, dass das Aalto Ballett mit dieser Bandbreite von Klassik und Moderne das Publikum in Essen in vollem Maße erreicht.


Kulturkenner

Ben Van Cauwenberghs „Irish Soul” im Aalto-Theater Ein irischer Pub im Orchestergraben: An Biertischen mit brennenden Kerzen sitzen die Tänzer, ein Glas Bier in der Hand, und warten auf ihren Auftritt. Wer an der Reihe ist, steigt über eine Treppe auf die Bühne. Mit ihren traditionellen, irischen Instrumenten wie Fiddle, Handtrommel, Knopfakkordeon oder Mandoline sorgt die Band „Midnight Court“ für folkloristische Farben. Die Auftritte des Essener Balletts konzentrieren sich auf Duette, Soli und Gruppenszenen, die Stimmung verbreiten - heitere, übermütige, aber auch melancholische oder romantische. Wer jetzt an Riverdance oder überhaupt an ein Dansical denkt, liegt falsch, denn das Aalto Ballett tanzt auf überragendem Niveau. Ballettchef Ben Van Cauwenbergh erweiterte das klassische Vokabular für seinen neuen Abend „Irish Soul“ um Elemente aus alten irischen Volkstänzen zu einer hochdynamischen, teilweise artistischen Choreografie.


Ruhr-Szene Online Magazin

Irish Soul Ballett Als dritte und letzte Premiere der Saison 2010/2011 präsentiert das Aalto Ballett Theater Essen mit „Irish Soul“ erneut eine choreographische Arbeit seines Ballettdirektors Ben Van Cauwenbergh, der bereits mit „La vie en rose“, „Tanzhommage an Queen“ und zuletzt „Carmen/Boléro“ dem Tanz ein großes neues Publikum in der Essener Region gewinnen konnte. Van Cauwenbergh hat das irische Flair in eine fulminante Balletthommage übersetzt. Die „Smaragdinsel“ mit ihrer rauen, aber auch lieblichen Natur, ihrer von Trollen, Gnomen, Zwergen und Elfen belebten alten Sagenwelt, ihrer bewegten Geschichte und reichen Kultur, insbesondere der Musik, wird im Tanz lebendig. Dazu mischte der Choreograph die ihm eigene Handschrift des modernen klassischen Tanzes mit technisch virtuosen Elementen.

Der erste Teil des Abends – „Das Land“ – fängt typisch irische Stimmungen wie Morgendämmerung, Meeresbrandung und Regen ein, aber auch jene die Gesellschaft bis heute prägenden politisch-religiösen Konflikte. Zudem treibt der Kobold Leprachaun sein Unwesen auf der Bühne. Der zweite Teil – „Die Leute“ – imaginiert das Leben im Pub, dem eigentlichen gesellschaftlichen Zentrum der Iren und Spiegel ihrer Mentalität. Tänzerinnen und Tänzer „erzählen“ zu den Klängen irischer Volksmusik, zu Heimathymnen, Liebesweisen und Trinkliedern Geschichten über die irische Seele. Begleitet werden sie dabei von der Live-Band Midnight Court und ihrem Solisten Brian O’Connor, die mit traditionellen Instrumenten wie Flöten, Pfeifen, Fiddle, Gitarre, Knopfakkordeon, Mandoline, Klavier, Bodhrán – einer Rahmentrommel – und Bones für eine authentische folkloristische Untermalung sorgen.